Freie Arbeiter:innen Union (FAU)

Freie Arbeiter:innen Union (FAU)

Die Freie Arbeiter:innen Union (FAU) ist eine Gewerkschaftbewegung von unten, bestehend aus kämpferischen Betriebsgruppen, die sich basisdemokratisch, solidarisch und antikapitalistisch organisieren. Ohne bezahlte Stellen, mit Maßnahmen von der Unterstützung einzelner bis hin zu politischen Streiks, kämpfen sie für eine basisdemokratisch organisierte, tauschwertfreie und ökologisch nachhaltige Bedarfswirtschaft in einer Welt ohne Diskriminierung, Herrschaft und Krieg.

Kurzinfo

  • www.fau.org
  • geko@fau.org
  • aktiv seit 1977
  • 5000+Mitglieder
  • deutschlandweit

Was tut Ihr und wie ist Eure Vision und Ziel?

Die FAU ist eine Gewerkschaftsbewegung aus kämpferischen Betriebsgruppen und Branchenorganisationen, Sozial-, Stadtteil- und Landkreisorganisationen. Wir sind basidemokratisch, solidarisch und antikapitalistisch. Wir haben keine bezahlten Stellen und organisieren Solidarität auf Augenhöhe in allen Lebensbereichen. Unser Ziel ist eine weltweite basisdemokratisch organisierte, tauschwertfreie und ökologisch nachhaltige Bedarfswirtschaft und eine Welt ohne Diskriminierung, Herrschaft und Krieg.

Wie setzt Ihr Euer Ziel in praktische Schritte um?

Die FAU hat sehr viele unterschiedliche Strukturen gegenseitiger Hilfe. Wir organisieren beispielsweise Arbeitskämpfe, unterstützen uns gegen Behörden wie Jobcenter und Ausländerbehörde, bilden uns gemeinsam weiter, betreiben Medienarbeit, organisieren internationale Solidarität, unabhängige Räumlichkeiten (Büros, Veranstaltungsräume, Urlaubsdomizile), verteilen Gelder zwischen privilegierten und weniger privilegierten Mitgliedern um, unterstützen uns in Lebenskrisen, organisieren und unterstützen gesellschaftliche Proteste und bauen vor allem wann immer es geht nachhaltig bestehende Strukturen auf, die auf neue Gesellschaftsformen verweisen. Ein Beispiel für den letzten Punkt sind die Initiativen für neue Branchengewerkschaften in den Bereichen IT und Grüne Gewerke, in denen wir auch über die gesellschaftlich notwendigen Umgestaltungen dieser Branchen sprechen.

Vor Folientunnel stehen Aktivist:innen in grünen FAU-Westen; einige erheben die Hände zu kämpferischen Fäusten. Auf den Transparenten steht u.a. "Agrarwende jetzt!" und "Lebensgrundlagen verteidigen".

copyright: FAU

Was hat sich dadurch verändert?

Wir konnten die Situation in vielen Betrieben verbessern, auch in manchen landesweiten Ausbildungen, wir konnten seit unserer Gründung nicht gezahlte Löhne, Lohnerhöhungen, Jobcenterleistungen etc. im Bereich von vielen hunderttausend Euro erstreiten. Vielleicht wichtiger ist aber: In vielen hundert Fällen konnten wir zusammen unsere Würde verteidigen, wo wir eigentlich stumm gemacht und erniedrigt werden sollten. Wir sind für viele eine politische und soziale Heimat, die auch hilft, sich menschlich, demokratisch und politisch zu entwickeln. Wir geben vielen Menschen das Gefühl, ein verlässliches Sicherheitsnetz zu haben, die sonst keines hätten. Wir konnten oft den Unterschied für internationale Schwesterngewerkschaften in heftigen Arbeitskämpfen ausmachen, beispielsweise für Textilarbeiter:innen in Myanmar, Sri Lanka und Bangladesch. Wir haben schon öfter gesellschaftliche Proteste massiv mitgeprägt oder verändert, so die Proteste gegen die Agenda 2010 oder die Bäuer:innenproteste 2023/24. Immer wieder zwingen wir als „radikale Konkurrenz“ auch die DGB-Gewerkschaften zum Handeln und zur Unterstützung von Arbeiter:innen, die sie sonst eher nicht unterstützt hätten, nicht zuletzt Lieferdienstfahrer:innen.

Wo seht Ihr Euch auf den drei NOW NET-Wegen?

Da sehen wir uns absolut. Also Demokratisierung, eben auch der Wirtschaft, ist absolut unser Ding. Wir begreifen unsere Gewerkschaftsbewegung von der Betriebsgruppe über die Branchengewerkschaft und die lokale Föderation, Bundesföderation bis hin zu unserer weltweiten Internationalen als eine Schule und als ein Labor für neue Demokratieformen und letztlich eine neue, basisdemokratische Art, sich als Weltgemeinschaft abzustimmen und zu unterstützen. Wir plädieren für Commons als Utopie und gegen das Privateigentum, entsprechend unterstützen wir die meisten Projekte, die hier aufgeführt sind, machen uns bei Kollektivbetrieben über kooperatives Wirtschaften und Gemeinschaftseigentum Gedanken, und versuchen als Beschäftigte und Konsument:innen beispielsweise in SoLaWis und Kollektivbetrieben entsprechend zu wirken.

Zukunftsmalerei: Was könnte durch Euch anders sein in 10-20 Jahren?

Wir haben den politischen Streik von unten in Deutschland salonfähig gemacht und können diesen absichern. Wir haben die Kollektivbetriebebewegung dabei unterstützt, gute Arbeitsstandards und gute rechtliche Formen zu entwickeln (und da auch die Rechtslage vereinfacht). Wir haben außerdem mit angestoßen, dass die Einzelbetriebe sich immer öfter zu basisdemokratischen Großkooperativen zusammenschließen, in der finanzielle Mittel nach Bedarf verschoben werden. Dabei haben wir eine Vielzahl von Branchengewerkschaften gegründet, die nicht „nur“ über Arbeitszeiten und Lohnhöhe diskutieren, sondern auch über den gesellschaftlichen Nutzen und Schaden der jeweiligen Arbeitsbereiche – und die deren Transformation angehen. In einigen spektakulären Arbeitskämpfen konnten die Werke von Konzernen kollektiviert und in die Kooperativen eingegliedert werden. Wir haben kommunale Organisationsformen entwickelt, in den sich Patient:innen, Konsument:innen etc. zusammenschließen und mit den Branchengewerkschaften zusammen an der Regionalisierung und ökologischen Umstellung der Wirtschaft arbeiten. Und nicht zuletzt haben wir in einer Reihe von Ländern aktiv beim Aufbau und der Verteidigung ähnlicher Bewegungen unterstützt.

Wo werdet Ihr Euren Ansprüchen nicht gerecht?

Einerseits natürlich in unserer Größe. Wir wären jetzt schon gerne eine Massenorganisation, die der Klimakatastrophe, der Überschreitung der planetaren Grenzen, der Militarisierung und dem Rechtsruck viel mehr entgegenzusetzen hätte. Wir merken auch, dass wir nicht immer ausreichend Ressourcen haben, um Menschen mit heftigsten Problemlagen zu helfen. Es gelingt manchmal nicht, Menschen mit besonderen Bedarfen gut einzubinden, Leute die kein deutsch sprechen gut einzubinden, Abschiebungen zu verhindern. Auch den großen Konzernen können wir noch mangels Masse selten die Stirn bieten.

Mögt Ihr noch etwas hinzufügen?

Weltweit blicken wir auf insgesamt über 150 Jahre Bewegungsgeschichte unter dem Namen Anarchosyndikalismus zurück, die wiederum beispielsweise die zapatistische Bewegung und die Revolution in Nordost-Syrien mitgeprägt hat – und diese Bewegungen wiederum uns. Heute sind wir nicht nur in Deutschland organisiert, eigentlich sind wir hier noch ganz schön klein, sondern weltweit in der International Confederation of Labour – zusammen mit zehntausenden lieben Menschen. Hier findet ihr deren Website: https://www.iclcit.org.

Wie können Menschen bei Euch mitmachen?

Wir freuen uns über so viele Mitglieder wie möglich. Mitmachen können alle, die keine Chef:innen sind oder bei bewaffneten Repressionsorganen (Militär, Polizei) arbeiten. Auf unserer Website könnt ihr unser nächstliegendes Syndikat, das sind unsere lokalen Strukturen, suchen und meist recht einfach per Mail oder Formular Mitglied werden. Ihr erfahrt dann, wie ihr euch engagieren könntet, aber wir haben auch Platz für Menschen mit wenig Zeit und Geld, die einfach durch Mitgliedschaft ihre Solidarität zum Ausdruck bringen und informiert bleiben wollen.
Ansonsten hilft es uns, wenn ihr uns auf dem Schirm habt, uns erwähnt, Freund:innen von uns erzählt, uns auf Events und Tagungen einladet – auch wenn wir es als rein ehrenamtliche Struktur nicht immer schaffen werden zu kommen.

Ein Demonstrationszug von hinten seitlich fotografiert mit zahlreichen Fahnen und verschieden farbigen FAU-Westen.

copyright: FAU

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